Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW fordert den sofortigen Stopp des Projekts „Süddeutsche Erdgasleitung“

Das Gastransportunternehmen Terranets BW plant den Bau einer 250 Kilometer langen „Süddeutschen Erdgasleitung“ von Lampertheim nach Bissingen (Bayern). Bis 2026 soll ein knapp 50 km langer Leitungsabschnitt von Heidelberg über Leimen und Wiesloch bis nach Hüffenhardt fertiggestellt werden. Ein 15 km langer Abschnitt von Mannheim-Straßenheim über Heddesheim, Ladenburg, Dossenheim und Edingen-Neckarhausen nach Heidelberg soll bis 2027 folgen. Laut Terranets BW sei der Bau notwendig, weil die Nachfrage nach Erdgas weiter steige, u.a. durch neue Gaskraftwerke.

Die Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW tritt dem Projekt entschieden entgegen. Wenn der Leitungsbau nicht gestoppt wird, werden wertvolle Kulturlandschaften, Wälder und Naherholungsgebiete zerstört. Obendrein ist der Bau weder energie- noch klimapolitisch sinnvoll. Eine zukunftsfähige Energieversorgung kann nur mit erneuerbarer Energie gelingen. Erdgas ist ein fossiler Energieträger, dessen Nutzung die Klimakrise weiter anheizt. Vorstellungen, nach denen Erdgas als „Brückentechnologie“ für den Übergang in ein fossilfreies Energiesystem gebraucht werde, gelten mittlerweile als überholt. Bei der Nutzung von Erdgas werden neben CO2 auch riesige Mengen Methan – ein Gas mit hoher Treibhauswirkung – freigesetzt. Bei Förderung, Lagerung, Transport und Verbrauch entstehen enorme direkte Methan-Emissionen durch Leckagen, Ablassen oder Abfackeln. Auch ein leckagefreier Transport von Erdgas als Flüssiggas erzeugt aufgrund der energieintensiven Verflüssigung/Kühlung große Treibhausgas-Emissionen.

Ein weiterer Ausbau der Erdgasstrukturen würde unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern unnötigerweise verstärken und zugleich erhebliche Risiken für die Finanzierung der Energiewende bergen. Die meisten Zukunftsszenarien zeigen eine Abnahme des Erdgasverbrauchs. Dann drohen vorzeitige Stilllegungen mit Entschädigungen und Unternehmensklagen, für die letztendlich die Steuerzahler*innen geradestehen müssten. In Zeiten knapper Kassen können wir uns derartige Abenteuer nicht leisten. Zudem fehlen diese Gelder für den dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien.

Vonseiten der Fossilindustrie wird behauptet, dass neue Erdgasleitungen im Zuges des Ausbaus der Wasserstofftechnologie umgenutzt werden könnten. Tatsächlich wird ein vollständig auf erneuerbaren Energieträgern beruhende Wirtschaft nicht gänzlich ohne Wasserstoff auskommen. Für die Speicherfunktion des erneuerbaren Wasserstoffs ist ein weiterer Ausbau der ohnehin schon ausgedehnten Erdgas-Infrastruktur jedoch nicht zweckdienlich.

In der Summe ist der geplante Bau der „Süddeutschen Erdgasleitung“ riskant und schädlich. Dem steht ein zweifelhafter Nutzen gegenüber, welcher zudem nur dann wirklich einträte, wenn die Energiewende weiter verlangsamt würde. Die Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW fordert daher den sofortigen Stopp dieses energie- und klimapolitisch sinnlosen Projekts.

Baumerhalt bei der Rheindammsanierung in Mannheim

Kahlschlag bei Sanierung geplant

Der Rheinhochwasserdamm im Mannheimer Waldpark soll saniert werden. Nach den bestehenden Plänen des Regierungspräsidiums Karlsruhe soll dies in Erdbauweise geschehen. Das bedeutet, dass auf einer Fläche von 7 Hektar mehrere tausend Bäume gefällt werden müssten.

Wald sorgt für Klimaresilienz

Einen überflüssigen Holzeinschlag kann sich die Stadt mit ihrer Lage in der ohnehin stark hitzegefährdeten Rheinebene aber sicher nicht leisten. Wälder nehmen eine wichtige Funktion als Wasserspeicher, Luftfilter und in der Bindung von CO2 ein. Um der Klimakrise möglichst resilient zu begegnen und unsere Lebensgrundlage zu sichern, müssen Wälder wo immer möglich erhalten werden.

Alternative: Spundwandbauweise

Dabei liegt eine Alternative längst vor. Die Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof hat in Zusammenarbeit mit Experten eine alternative, auf Spundwandbauweise basierte Lösung erarbeitet. Damit könnte nicht nur der Baumbestand weitgehend erhalten bleiben. Damit kann der – durch die Klimakrise zunehmend wichtigere – Hochwasserschutz sogar verbessert. Noch dazu könnten so die Bauzeit deutlich verkürzt und die entstehenden Kosten voraussichtlich gesenkt werden.

KlimalisteBW unterstützt Plan für zukunftsfähige Sanierung

Der Ortsgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW spricht sich daher entschlossen gegen das blinde Weiterverfolgen der bestehenden Pläne des Regierungspräsidiums aus. Stattdessen fordert sie den Gemeinderat auf, die von der BIG vorgeschlagene alternative Sanierung eingehend zu prüfen. Gleichzeitig weist die KlimalisteBW auf die durch die BIG organisierte Möglichkeit der Bürgerbeteiligung hin, die nach der Sommerpause auf deren Webseite zu finden sein wird.

Uni-Bebauung im Mannheimer Friedrichspark

Die Stadt Mannheim, die Universität Mannheim und die Landesregierung wollen mit der Bebauung des Friedrichsparks (ehem. Schlossgarten) voranschreiten. Mindestens drei neue Gebäude der Universität sollen entstehen. Dafür sollen über 100 Bäume gefällt werden. Pläne für ein viertes und fünftes Gebäudes wurden vorerst auf Eis gelegt – möglicherweise um sie in ein paar Jahren wieder aufzutauen, wenn entsprechender Bedarf entstehen sollte. Ob überhaupt Bedarf nach Neubauten im Park besteht, ist jedoch mehr als fraglich. Erstens hat die Universität Mannheim nach drei Semestern unter Pandemiebedingungen einen enormen Schritt in der digitalen Lehre unternommen. Es ist daher fraglich, ob „nach Corona“ in vollem Umfang zu den altbackenen Präsenzformaten der Massenuniversität zurückgekehrt wird. Zweitens bietet Mannheim viele, zum Teil sehr zentral gelegene, leerstehende Gebäude und Brachflächen an, die hierfür genutzt werden können (nur ein Beispiel wäre die ehem. St. Hedwig-Klinik in A2). Durch den fortschreitenden Strukturwandel in der Arbeitswelt („Home-Office“) und im Einzelhandel (Online-Handel) werden weitere Leerstände hinzukommen. Die Universität hat sich zuletzt im Jahr 2017 mit möglichen Alternativen auseinandergesetzt und scheint völlig zu ignorieren, dass sich die Situation in den vergangenen vier Jahren grundlegend gewandelt hat. Ein wenig mehr Agilität und Zukunftsgewandtheit könnte man von einer Universität sicher erwarten.
Ein Klimagutachten hält die Verschlechterung des stadtklimatischen Qualitätsniveaus nicht für bedeutsam. Neue Betonklötze zu errichten, während wir uns mitten in der sich zuspitzenden Klimakrise befinden, ist für die Regionalgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW jedoch keine Option. Ganz besonders nicht vor dem Hintergrund der zahlreichen Alternativen. Stattdessen sollte der Friedrichspark nach Abriss des alten Eisstadions ausgeweitet werden. Diese Fläche wird bereits heute dringend als Grünfläche und Frischluftschneise benötigt. Die Ortsgruppe Rhein-Neckar der KlimalisteBW unterstützt daher den Widerstand gegen die Uni-Bebauung am Mannheimer Friedrichspark.

Baumfällungen im Heidelberger Mühltal

Waldsterben versus Forstwirtschaft
KlimalisteBW spricht sich gegen weitere Baumfällungen im Mühltal aus

Der Folgen des Klimawandels sind schon heute in heimischen Wäldern sichtbar: Nur noch 2 von 10 Bäumen sind gesund. Längere erhöhte Temperaturen und weniger Niederschlag hat ihnen stark zugesetzt, sodass obendrein der Borkenkäfer leichtes Spiel hat. Unsere Wälder sind nicht nur wichtig für die Kohlenstoffbindung, sondern auch als Grundwasserspeicher und zum Schutz der Artenvielfalt. 
Die Stadt Heidelberg beschloss im Klimaschutz-Aktionsplan sogenannte „Klimawäldchen“, die das Mikroklima in den Stadtteilen verbessern und innerstädtischen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten sollen.Doch was passierte im Mühltal? Etwa 800 Bäume wurden zur Fällung markiert. Weiß die eine Hand nicht, was die andere tut? Die Stadt argumentiert, die Maßnahme diene der Verkehrssicherung. Warum aber sind so viele Bäume fernab der Wege markiert? Nach dem Bekanntwerden und dem folgenden Aufruhr ruderte die Stadt zurück und fällte nur die Bäume, die tatsächlich eine Gefahr für Spaziergänger:innen und Radfahrer:innen darstellt. Wozu dienen also die Fällungen der restlichen markierten Bäume? Auch zur Verhinderung der Verlandung der dortigen Teiche tragen nur die umliegenden Bäume bei. Wobei sich die Frage stellt, wie sich bisherige Teiche ohne den Schutz der Menschheit gehalten haben… Finanzieller Profit ist ja sonst oft ein Grund sich der Natur eigen zu machen, doch in diesem Fall wäre es nicht nur eine Null-Summen-Rechnung, sondern die Steuerzahler:in müssten noch draufzahlen. Die Holzernte wäre unrentabel, weil sie in der Hanglage nur beschränkt möglich ist und dazu kommt die niedrige Qualität des Holzes.Was der Eingriff in das Ökosystem jedoch für Folgen hätte, wäre gravierend: Durch die Schaffung völlig anderer Licht- und Einstrahlungsverhältnisse und verändertem hydrologischen Systems würde das Waldinnenklima nachhaltig geschädigt werden und führte zu einer Erhitzung. Nach sieben der heißesten Jahre seit Wetteraufzeichnung sind die geplanten Maßnahmen alles andere als das, was unsere Wälder jetzt brauchen, um das Ökosystem nachhaltig aufrecht zu erhalten. Die KlimalisteBW setzt sich für Anerkennung und Schutz der verschiedenen (besonders auch der nicht monetären) Ökosystemdienstleistungen des Waldes ein.

Deswegen sagt die Klimaliste Baden-Württemberg Nein zu den geplanten Baumfällungen im Mühltal!

Weitere Infos finden sich auf der Website der Bürgerinitiative „Waldwende Heidelberg“:
https://waldwende-heidelberg.de/